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Sagen aus dem Reinhardswald, Immenhausen, Holzhausen und Mariendorf

Sagen aus dem Reinhardswald


Wie der Reinhardswald entstanden ist und seinen Namen bekam


Es lebte einmal ein Graf Reinhard. Ihm gehörte das Illustration von Roman Krasnitzky: Graf Reinhard auf einem Pferdganze Land mit allen Städten und Dörfern zwischen der Diemel und der Weser. Aber Graf Reinhard war ein arger Spieler. Er spielte gar oft mit vornehmen Herren, hatte aber fast nie Glück. Eines Abends verlor er alles, was er bei sich hatte. Da setzte er seine ganze Grafschaft aufs Spiel. Aber auch die verlor er und war auf einen Schlag ein armer Mann. Seinem Gegner aber gönnte er die Grafschaft nicht und gebrauchte eine List, um sie ihm wieder zu entreißen. Er bat ihn deshalb, noch einmal in seinem Lande ernten zu dürfen. Die Bitte wurde ihm gewährt. Da brannte Reinhard die Städte und Dörfer nieder, vertrieb die Einwohner aus seinem Land und ließ überall Eicheln ausstreuen. Aus diesen entstand der Reinhardswald. Der glückliche Gewinner des Spiels aber würde heute noch auf seinen Gewinn warten, wenn er nicht längst gestorben wäre. (nach Rohde)


Dieser Sage begegnen Sie auf dem Märchenlandweg.

 

 

 

Die Stadt auf dem Gahrenberg


Wenn Schneeflocken vom Himmel wirbeln und kalte Stürme die Menschen an den warmen Ofen zwingen, denkt kaum jemand an den Kohlenberg im Reinhardswald, dem er seine Wärme verdankt. Nur hin und wieder wird in geselligem Kreis vom alten Berg erzählt.
Er hat früher einmal neben der Kohle auch Silber, Gold und Edelsteine enthalten. Durch die Schätze entstand eine reiche Stadt auf der Höhe. Doch machten sich mit dem Reichtum bald auch Sünde und Laster in den Mauern breit, und die Menschen trieben es ärger als in Sodom und Gomorrha. Gott aber hatte lange Zeit mit ihnen Geduld. Schließlich konnte er das Treiben aber doch nicht mehr mit ansehen, und so ließ er eines Nachts die Stadt mit Mann und Maus zugrunde gehen. Niemand weiß, wie es geschah; auch weiß niemand, wie es kommt, dass von diesem Tage an der Reichtum des Berges bis auf die schwarze Kohle versiegt ist. (nach Rode)

 

 

Sagen aus Immenhausen

 

Wie Immenhausen entstanden ist und seinen Namen bekam


Einige Wegstunden nördlich von Kassel liegt das kleine hessische Städtchen Immenhausen. Der Sage nach ist es auf recht sonderbare Weise entstanden und zu seinem Namen gekommen. Als sich die Chatten im Jahre 10 vor Christus gegen die römische Herrschaft erhoben hatten, zog Feldherr Drusus mit seinen Legionären in das Land an Fulda und Weser, um die Aufständischen zur Ordnung zu zwingen. Nach dem Sieg über die Aufsässigen wollte er gleich auch einen Feldzug gegen die Cherusker führen, um deren Land bis an die Elbe zu erobern.
Illustration von Roman Krasnitzky: Angriff eines Bienenschwarms auf römische LegionäreWährend sich seine Legionäre den Weg durch den dichten Wald zur Weser bahnten, schwärmten Bienen. Der Immenschwarm setzte sich an dem in der Sonne glänzenden Goldadler der vorderen Standarte nieder. Die Soldaten sahen darin ein böses Omen und waren weder durch Zureden noch durch Drohungen zu bewegen, den Weg fortzusetzen. Sie schlugen gegen den Befehl ihres Feldherren das Lager auf, und so musste Druses umkehren, bevor er die Weser erreichte. Aus dem Römerlager ist ein kleiner Ort enstanden. Er hat nach den schwärmenden Immen den Namen Immenhausen bekommen. (mündlich)


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Wie Immenhausen vom Teufel zerstört werden sollte


"Immenhusen - Schlimmenhusen!" "Schlimmenhusen bi Grobensteen!" So beschimpften die Leute aus Illustration von Roman Krasnitzky: Teufel schleudert Felsstückeder Umgebung vor Zeiten die Stadt. Das geschah wahrscheinlich mit Recht, denn selbst der Teufel geriet einmal über die grobschlächtigen und hinterlistigen Immenhäuser in Zorn, als sie ihn um den versprochenen Lohn für seine Hilfe beim Bau der Kirche brachten. Wütend schleuderte er deshalb unter gotteslästerlichen Flüchen große Felsstücke von den Höhen des Habichtswaldes gegen die Stadt. Aber der erste Wurf ging zu weit nach rechts und traf den Försternstein, der zweite schlug hinter der Stadt auf dem sogenannten Großen Loh ein, und der dritte ging dicht vor der Stadt auf der Windmühle nieder. Die Würfe waren so kraftvoll, dass die Felsen in Stücke sprangen. Man kann Sie noch heute an den genannten Stellen sehen. Auch sind die Spuren der Teufelskrallen noch an einigen Stellen sichtbar. (mündlich)
 

Dieser Sage begegnen Sie auf dem Märchenlandweg.
 

 

 

 

 

 

 

 

Der Schatz auf dem Försternstein
 

Der Försternstein ist eine kleine bewaldete Anhöhe an der Hohenkircher Straße, etwa eine Viertelstunde südlich von Immenhausen. Es wird erzählt, dass dort in alter Zeit ein kostbarer Schatz vergraben worden ist. Der Schatz wird von einem Geist bewacht, der in den verschiedensten Gestalten auftritt und die Aufgabe hat, die Menschen von dem Ort fern zu halten.
Illustration von Roman Krasnitzky: Bürger begegnet UngeheuerAls mein Großvater als junger Mann eines Nachts mit seiner Tante von einem Besuch in Hohenkirchen kam und kurz hinter dem Dorf seine Laterne anzünden wollte, wurde diese, obwohl es völlig windstill war, immer wieder ausgeblasen. Selbst im Schutz des geöffneten Mantels der Tante gelang es nicht, die Lampe anzuzünden. Erst nachdem mein Großvater böse geflucht hatte, verschwand der unsichtbare Bläser, und die Laterne brannte ruhig bis nach Immenhausen.

Die Immenhäuser Handwerker hatten einen Großteil ihrer Geschäfte in Kassel zu erledigen. Den Weg in die Stadt mussten sie zu Fuß zurück legen. Abends wurde es oft spät, und sie mussten kräftig ausschreiten, damit sie die Torwache noch in die Stadt einließ. In einer regnerischen und stürmischen Herbstnacht kehrte ein Schuhmacher von seinen Geschäften in Kassel zurück. Er hatte trotz des schlechten Wetters Hohenkirchen sicher erreicht. Als er aber den Ort verließ und die erste Höhe überschritt, lief plötzlich ein kalbgroßer Hund mit feurigen Augen an der rechten Straßenseite neben ihm her. Das Ungeheur verschwand erst wieder, als er den zu seiner Rechten liegenden Försternstein im Rücken hatte.
Ein anderer nächtlicher Wanderer wurde an der selben Stelle durch zwei Männergestalten, die einen bierfaßgroßen feurigen Klumpen auf den Försternstein rollten, erschreckt und zu noch größerer Eile angetrieben.


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Bartholomäus Riseberg
 

Über den Einzug der Reformation in die Stadt wird in Immenhausen folgendes erzählt:
Im Krug zu Wanzleben traf der junge evangelische Prediger Bartholomäus Riseberg auf einen Mann aus Hessen. Der nahm ihn in seine Heimat Immenhausen mit. Hier predigte der Gast zunächst in einem Haus und danach in einer Kapelle. Endlich berief ihn der Rat der Stadt zum Prediger in die Pfarrkirche. Vormittags predigte nun ein Mönch, der wies die Leute auf den Papst. Nachmittags sprach nun Riseberg und wies die Leute auf Christus. Weil er mit dem Mönch aber nicht Übereins kommen konnte, redete er diesem eines Tages in die Predigt hinein, indem er sagte: "Lege die Schrift recht aus!" Danach legte jener dem Rat die Schlüssel vor die Füße, ging davon und verklagte den unbequemen Widersacher. Da schickte der Landgraf von Kassel einen Hauptmann mit etlichen hundert Reitern, die Riseberg aus der Kirche hinweg nach Grebenstein führten und dort in einem Turm gefangen setzten.

Aber man wurde sich nicht so recht einig, ob man ihn verhungern, verbrennen oder dem Papst überlassen sollte. Nach fünf Wochen Haft konnte er sich aber befreien und fliehen. Das geschah so: Ein Weib kam zum Gefängnis und bot ihm Hilfe an. Es überbrachte ihm in einem Brot ein Messer und einen Bohrer. Mit diesem öffnete er die Tür, denn er war so abgehungert, dass er die Fesseln abzustreifen vermochte. Als er die Turmtreppe hinunter stieg, sagte er sich und sprach: "Das walte Gott, Vater Sohn und Heiliger Geist, Bartholomäus, nimm, was dein ist, und geh." Dann überwand der die schon verfallene Mauer und den Stadtgraben und zog neben der Heerstraße seines Weges. In Grebenstein wurde er in allen Häusern und Scheunen gesucht, aber nicht gefunden. So kam Riseberg wieder nach Wittenberg. Luther empfahl ihn darauf nach Schweinitz. Hier wurde er Kaplan. (nach Zaunert)


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Die trockene Mauer bei Herboldsen
 

Bevor die Straße nach Grebenstein den Spechtenbeck überquert und die alte Wüstung Herboldsen erreicht, führt sie durch eine tiefe Schlucht. Die rechte Böschung dieser Schlucht ist durch eine Sandsteinmauer befestigt. Die Steine wurden vor Zeiten aufgeschichtet und sind heute dicht mit Gras bewachsen. Es wird erzählt, dass es an der trockenen Mauer nicht immer mit rechten Dingen zugeht.
Als eines Tages ein Immenhäuser Bauer und sein Sohn ein in Grebenstein gekauftes Rind die Straße lang trieben, scheute das Tier vor der Schlucht und begann zu toben, dass es die beiden Treiber nicht halten konnten. Es galoppierte die Anhöhe neben der Straße hinauf und blieb hinter der Schlucht völlig ruhig stehen, so, als warte es auf die beiden Nachzügler.
Ein andermal erzählte ein Tagelöhner, der zum Gericht nach Grebenstein bestellt war und sich schon früh auf den Weg gemacht hatte, dass neben ihm an der trockenen Mauer plötzlich ein nobler Herr in einem schwarzen Anzug einher schritt. Erst am Bach ist der Fremde so heimlich und schnell, wie er erschien, wieder verschwunden.
Das aufregendste Erlebnis aber hatte eine Frau mittleren Alters, als sie eines Abends von einem Besuch aus Grebenstein nach Immenhausen heimkehrte. Sie schaute noch einmal zum Reinhardswald hinüber, bevor sie die Schlucht betrat. Da sah sie in den Tunnenwiesen einen Leichenzug zu den Elfbuchen dahin schreiten. Voraus ging der Pfarrer, ihm folgten die Träger mit dem Sarg. Dahinter folgten die Angehörigen des Verstorbenen mit der Trauergemeinde. Der Spuk verschwand erst, als die Frau die Straße verließ und den Weg über den Berg nahm. (mündlich)

 


Zeugnis der Unschuld
 

Im Feld zwischen Grebenstein und Immenhausen liegt ein Trisch, das "Weiße Frau" genannt wird. Hier soll vormals die Richtstätte gewesen sein. Man erzählt von diesem Platz die folgende Sage:
Auf dem von Stockhausenschen Gut zu Immenhausen diente einmal eine Magd, die reichte einem weinenden Säugling ihrer Herrschaft, um ihn zu beruhigen, mehrmals die eigene Brust. Da wunderte sich die Mutter, dass das Kind nicht nach ihr verlangte. Sie befragte die Magd nach der Ursache und entdeckte, dass diese ebenfalls Milch in der Brust hatte. Das Mädchen erklärte das mit einem Wunder. Als zu derselben Zeit in der Nähe der Stadt aber ein neugeborenes Kind tot aufgefunden wurde, fiel schwerer Verdacht auf die Magd. Der Rat ließ sie als Mutter des Kindes ins Gefängnis werfen und des Mordes für schuldig sprechen. Obgleich sie beharrlich leugnete, das Kind geboren zu haben, wurde sie zum Tode verurteilt. Noch auf der Richtstätte rief sie laut: "Ich bin so gewiss unschuldig, wie auf alle den Stellen, auf die mein Blut spritzt, niemals wieder Gras wachsen wird!" Als die Arme hingerichtet war, verging wirklich überall dort das Gras, wo Blut hingespritzt war, auch ist es dort bis heute nicht wieder nachgewachsen. (nach Lyncker)

 

 

Der Jammermannsgraben
 

Linker Hand wird die Straße von Immenhausen nach Mariendorf ein ganzes Stück von einer tiefen Schlucht Illustration von Roman Krasnitzky: Reiter stürzt vom Pferdbegleitet. Diese wird von den Dorfbewohnern "Jammermannsgraben" genannt. Der Name soll folgenderdermaßen entstanden sein: Vor langer Zeit zog ein fremder Reiter die Straße entlang. Er kam auf unerklärliche Weise vom Weg ab, stürzte in den Graben, brach sich den Hals und verschied, ohne noch ein Gebet sprechen zu können. Nun findet der Arme keine Ruhe und zieht zu mitternächtlicher Zeit auf seinem Pferd den Graben hinauf und hinunter. Dabei beklagt er mit herzzerreißender Stimme sein Los. Das Jammern und Klagen kann man noch heute jede Nacht hören. Bei klarem Wetter soll auch der kopflose Reiter auf seinem Pferd zu sehen sein. (mündlich)


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Grenzgang
 

Zwischen Immenhausen und Burguffeln liegt die alte Lindemühle gerade auf der Grenze der Feldmark. Vor Zeiten war es üblich, dass die Herren der Ortsobrigkeit in Abständen mit ihren Feldhütern, den Förstern und vielen Einwohnern die Grenze begingen, um zu sehen, ob die Malsteine noch alle am rechten Ort standen. Kam der Zug dann an die Mühle, so musste der Müller die ganze Gesellschaft mit Speise und Trank bewirten. Wollte er das aber nicht, so musste er es sich gefallen lassen, dass man ihm die Wände einschlug, um den Weg auf der Grenze fortzusetzen. Diese verlief nämlich genau durch die Küche über den Herd.
(nach Lynker)

 

 

Der Kutscherborn
 

Zwischen dem Butterstein und der Holzkape liegt eine sumpfige Wiese. Dort floss vor langer Zeit einmal Illustration von Roman Krasnitzky: Perde mit Kutsche und Kutscher stürzen in den Bornein Born zur Holzkape. Die Fuhrleute der Reinhardswaldstraße tränkten hier ihre Pferde. Die Quelle hieß deshalb der Kuschterborn. Auf der Straße trieb oft ein unbekannter Fuhrmann seine mageren Gäule mit schweren Lasten in den Reinhardswald. Er hatte es immer eilig und gönnte seinen Tieren auch in der größten Mittagshitze weder Wasser noch Ruhe. Er schlug die Pferde ohne Mitleid mit der Peitsche und fluchte über jeden kleinen Aufenthalt. Die anderen Fuhrleute wichen ihm deshalb aus, wenn sie seinen Peitschenknall oder sein Gefluche hörten.
Eines Abends trieb er seine Pferde mit dem leeren Wagen zu besonderer Eile an. Der Tag war mörderisch heiß gewesen. Und am Born rief er; "Lauft nur, ihr faulen Viecher, zu saufen gibt's jetzt nichts!" und schlug noch kräftiger auf die armen Tiere ein. Da bogen die Pferde in wildem Galopp mit dem Wagen samt dem Kutscher vom Wege ab und rasten in den plötzlich weit geöffneten Born hinein. Die Schreie des Fremden sollen bis in die Stadt zu hören gewesen sein. Einige wollen sogar gesehen haben, wie das Gefährt in der Holzkape am Mühlenhof wieder aus der Erde herausgekommen ist und den Weg ohne Kutscher fortgesetzt hat. (mündlich)


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Sagen aus Holzhausen

 

Der Wolfsgarten


Hinter dem Dorf Holzhausen liegt am Reinhardswald der sogenannte Wolfsgarten. Er soll unter Landgraf Philipp angelegt worden und wie folgt entstanden sein:
Als das Hessenland noch von Wölfen bevölkert wurde, kam es vor, dass diese während der harten Winterzeit in die Städte und Dörfer einbrachen, um dort Nahrung zu finden. Davon betroffen waren besonders die Orte dicht am Wald. Zu diesen gehörte auch Holzhausen.

An einem kalten Winterabend kamen die drei Kinder einer armen Witwe nicht nach Hause Illustration von Roman Krasnitzky: Wölfeund auch alles Suchen blieb ohne Erfolg. Da war die Not der Dorfbewohner groß. Alle beschäftigte bei der beißenden Kälte die bange Frage nach dem Schicksal der Vermissten. Niemand wollte sich eingestehen, dass wohl ein böses Unglück geschehen war. Auch der Förster hatte ein unheilvolle Ahnung, sagte aber nichts. Am nächsten Morgen ging er sogleich früh in den Wald. Dort fand der die Hände und Köpfe der Vermissten, wie er es befürchtet hatte. Sie lagen erstarrt im eisigen Schnee. Wölfe hatten die Kinder zerrissen. Die traurige Nachricht erschütterte das ganze Land, und der Landgraf ließ zum Schutz vor dem Dorf einen Wolfsgarten anlegen. Er bestand aus einem Stück Luder als Köder, das von einem hohen Palisaden-zaun mit Falltüren umgeben war. Hier hat so mancher Wolf sein Leben lassen müssen. (mündlich)


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Conradus Satte
 

In Holzhausen fand das rechte Gotteswort im Jahre 1525 seinen Einzug. Und das geschah so: Als die neue Lehre Luthers auch an den Klostermauern nicht Halt machte, schieden sich die Geister der Mönche.
Die einen blieben dem Papst treu, die anderen traten auf die Seite des Reformators.
Zu den Luther-Anhängern zählte auch Conradus Satte. Er stammte aus einer westfälischen Bauernfamilie und hatte in Nordhausen, Eisleben und Halle die Schule besucht. Danach trat er, weil er kein Geld hatte, um weiter zu studieren, in das Kloster Wahlshausen ein. Hier machten die neuen Gedanken nun das Mönchsleben unerträglich. Als Conradus eines Tages gar für die Sache Luthers öffentlich eintrat, hatte er hinter den Klostermauern keinen Platz mehr. Er nahm deshalb die in Holzhausen freie Pfarrstelle an und wirkte hier im Sinne des Reformators segensvoll und zur Zufriedenheit seiner Gemeinde. Nach sechs Jahren nahm er Abschied und ließ viele in großer Trauer zurück, um eine bessere Stelle in Hohenkirchen anzunehmen. (mündlich)


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Sagen aus Mariendorf

 

Die weiße Frau auf dem Ahlberg


Vor vielen, vielen Jahren stand auf dem Ahlberg eine stolze Burg. Sie beherrschte den weiten Südteil des Illustration von Roman Krasnitzky: weiße FrauReinhardswaldes. Ihre Mauern waren stark und galten als uneinnehmbar. Der junge Burgherr hatte gerade Hochzeit gehalten und sein junges Weib heimgeführt, als ihn Kunde von einem großen Heerzug erreichte. Mit Freude vernahm er die Botschaft, dachte zugleich aber an seine arme junge Frau, die traurig zurück bleiben würde. Um ihr nicht unnötig das Herz zu drücken, verschwieg er seinen Aufbruch. Der Tag des Abschieds würde noch schwer genug werden. Und so verbrachten die Gatten weiterhin glückliche Tage.
Dann aber hieß es Abschied nehmen, um noch rechtzeitig zum Sammelplatz zu gelangen. Der junge Herr reichte seiner Gemahlin die Hand. Erschreckt warf sie sich an seine Brust und bat ihn, doch zu bleiben. Schweren Herzens riss er sich aus ihrer Umarmung und versprach, gleich nach bestandenem Händel zurück zu kehren. Bis dahin würde der Mond ihnen jeden Abend ihre Liebesgrüße überbringen.
Da stieg die Schöne Abend für Abend auf die mächtige Burgmauer, um Luna Grüße für den geliebten Gatten aufzutragen. Eines Tages aber kam ein Bote mit der Nachricht vom Tode des jungen Ritters. Als er der Herrin die traurige Botschaft übermittelte, brach sie tot zusammen. Und die Arme wurde im ihrem prächtigen Brautkleide auf der Burg begraben.
Das Band der Liebe zu ihrem Gemahl aber vermochte der Tod bis zum heutigen Tag nicht zu zerreißen. In mondhellen Nächten entsteigt die Schöne ihrem Grabe, um den Gatten zu grüßen. Späte Spaziergänger können die weiße Gestalt dann auf dem Berge sehen. Auch sind die Reste der Burgmauer noch erhalten.
Dieser Sage begegnen Sie auf dem Märchenlandweg.



Das Gelächter aus dem Teich


Dicht vor Mariendorf lag früher zum Gauthing hin ein kleines Teichgewässer. Von diesem wird die folgende Sage erzählt:
Vor Zeiten verlor ein unverbesserlicher Zecher des Nachts kurz vor dem Dorf den Weg und stürzte in den Teich. Trotz aller Anstrengungen, das Ufer zu erreichen, versank er in den Fluten. Seit dieser Zeit ist es an dem Wasser nicht geheuer. Die ruhelose Seele führt in den dunklen Nächten arme Wanderer durch Irrlichter ab in den Sumpf. Drei Opfer hat sie bereits gefunden. Jedesmal, wenn ein Ahnungsloser in der Tiefe versinkt, ertönt ein grauenvolles Lachen aus der Tiefe. Der Nachtwächter und der Kuhhirte haben es schon gehört. (mündlich)

 

(Quelle: Friedrich-Karl Baas; Jahrbuch des Landkreises Kassel 1982, S. 69 ff. /   Illustrationen: Roman Krasnitzky)