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Historischer Dorfspaziergang Mariendorf

Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser in Mariendorf

 

 

Die Hugenotten- und Waldenser-Colonie wurde 1687 von Landgraf Carl von Hessen-Cassel gegründet. Seit der Gebietsreform 1970 ist Mariendorf Stadtteil der Großgemeinde Stadt Immenhausen.

 

 

Wir laden Sie zu einem ca. 2 km langen Spaziergang ein, bei dem Sie Wissenwertes über Mariendorf und seine Geschichte erfahren. Der Weg, am 24. April 2010 eingeweiht, beginnt am Dorfgemeinschaftshaus im Teichweg.

 

 

Zur Geschichte der "Colonie" Mariendorf

1598

Nachdem sich der Protestantismus in Frankreich nach den Lehren von Petrus Waldus († vor 1218), Martin Luther (1483-1546) und Johannes Calvin (1509-1564) im 16. Jh. auch unter Widerständen stark ausgebreitet hatte, erließ König Heinrich IV. 1598 in der Stadt Nantes in der Normandie das Edikt von Nantes, ein konfessionelles Gleichstellungsgesetz.

18.10.1685
Sein Enkel, König Ludwig XIV. von Frankreich („Sonnenkönig“), widerrief dieses Edikt, um die absolute Staatsgewalt zu sichern. Damit wurden den Protestanten ihre bisherigen religiösen Freiheiten wieder genommen, es kam daraufhin trotz Verbotes bei Todesstrafe zu Massenfluchten.

18.04.1685
Landgraf Carl von Hessen-Cassel garantierte durch seine "Freiheitskonzession" den Réfugiés Niederlassungsfreiheit und Schutz ihrer Religion. Nach Deutschland gelangten rd. 44.000 französisch-reformierte Flüchtlinge, davon nahm er etwa 3.800 in seiner Landgrafschaft auf. Er trieb die Ansiedlung zügig voran und forderte zur Meldung von leeren Häusern wüstem Land, Hausplätzen, Äckern und Wiesen auf.

1685-1687
Mit der ersten Flüchtlingswelle kamen drei Gruppen Waldenser und Hugenotten unter Führung von Pierre Clément, Jean Tholouzan und Antoine Goubeau nach Hessen-Cassel. Die in Mariendorf angesiedelten Réfugiés stammten aus dem Pragelastal, Mentoulles, Guillestre, der Siedlung Vars mit Ortsteilen sowie aus Orges in der Champagne und Bohain in der Picardie.

1686
300 Flüchtlinge mussten zunächst in Immenhausen untergebracht werden. Landgraf Carl begann mit dem Bau der kreuzförmig angelegten "Colonie" auf den Wüstungen Hildesheim und Reinersen, vermutlich geplant von seinem Baumeister Paul du Ry.

1687
Die ersten 110 Flüchtlinge zogen Anfang April in die fertigen 19 Häuser ein.

1688 u.1689/90
In zwei Bauabschnitten wurden 5-8 und nochmals 7 weitere Häuser gebaut und bezogen.

1688
Mit Urkunde vom 11. Juni 1688 schenkte Landgraf Carl die Gemarkung seiner Ehefrau Landgräfin Maria-Amelia, geb. Prinzessin von Kurland (1653–1711). Nach ihr wurde der Ort Mariendorf genannt.


Die Zuwanderer erhielten zahlreiche Privilegien, u.a. die Entlastung von Steuer- und Zunftzwängen für 10 Jahre.


1839
Die Erinnerung an ihre Heimat hielten die Glaubensflüchtlinge ihre französische Sprache wach: So wurde in der Schule in Französisch unterrichtet und erst 1839 ein deutscher Lehrer eingestellt. Es wird berichtet, dass Französisch bei den Älteren noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts Gebetssprache war.

Station 1 - Die zweite Schule / Dorfgemeinschaftshaus und Übersichtstafel
Ab 1902 war die einklassige Volksschule im Gebäude am Teichweg untergebracht. Während der Schulreform im Jahr 1970 wurde die Schule aufgelöst. Nach meherern Umbaumaßnahmen entstand ab 1976 das Dorfgemeinschaftshaus, das im Sprachgebrauch von älteren Mariendorfern noch immer als "Schule" bezeichnet wird.

Station 2 - Georgs Museum (leider geschlossen)
Das kleine private Museum wurde am 25. April 2005 eröffnet und Ende 2018 geschlossen. Es zeigte historische Gebrauchsgegenstände aus der Landwirtschaft sowie Küchenutensilien aus vergangenen Zeiten. Eine Besonderheit des Museums waren die alten Mariendorfer Fachwerkhäuser in Kleinformat, die von Georg Schützeberg nachgebaut wurden.

Station 3 - Der Hugenottenteich
Der Teich wurde zeitgleich mit dem Bau der Kolonie für die französischen Glaubensflüchtlinge 1686 auf der Wüstungsgemarkung Hildesheim angelegt, aber erst 1687 vollendet. Früher diente das Gewässer der Fischanzucht und war eingegliedert in die Teichwirtschaft des landgräflichen Hofes in Kassel. Heute besteht der Wasserzufluss des 1984 unter Naturschutzaspekten neu angelegten Teiches aus dem Ober-flächenwasser des Dorfes und dem Niederschlagswasser der umliegenden Felder.

Station 4 - Die erste Schule
Erst um 1823 erhielt Mariendorf sein eigenes Schulhaus, davor unterrichteten die Lehrer in ihrem Wohnhaus. Die Schule wurde in der Hauptachse der kreuzförmigen Dorfanlage unterhalb der Kirche errichtet. Heute steht das Haus unter Denkmalschutz und ist eines der ältesten Gebäude, das von dem Großbrand 1928 verschont geblieben ist.

Station 5 - Der Ortsmittelpunkt
Hier finden Sie wichtige Aspekte zur Geschichte Mariendorf, die der Beschreibung dieses Dorfspazier-ganges voran gestellt sind.

Station 6 - Der Mariendorfer Dachziegel
An der Dorfstraße in Höhe der Nr. 16 stand das Haus von Daniel Boulnois aus dem Jahr 1688, das durch einen Brand 1928 völlig zerstört wurde.

Bei den Aufräumungsarbeiten fand sich ein Dachziegel mit dem eingeritzten Vaterunser in französischer Sprache. Er entstand vermutlich 1770 und zeigt, dass Französisch damals offensichtlich eher gesprochen wurde und der Verfasser keine Kenntnis der französischen Orthographie besaß.

Station 7 - Die evangelische Kirche
Die rechteckige Kirche, in den Jahren 1701-1710 aus Bruchsteinen im Stil einer französischen Saalkirche erbaut, bildet den Kopfbau des in Form eines lateinischen Kreuzes angelegten Dorfes. Der Entwurf des Bauwerkes stammt vermutlich von dem französisch-hugenottischen Baumeister Paul du Ry. Mehrmalige Renovierungen und Umbauten sowie der im Jahr 1937 auf das Bruchsteinmeurwerk aufgebrachte Verputz prägen das heutige Erscheinungsbild.

Station 8 - Der Friedhof
Im "Steuer-Kataster der Gemeinde Mariendorf Amts Grebenstein" wird der Totenhof 1773 zwischen heutiger Dorfstraße und dem Hugenottenteich lokalisiert. 1857 liegt der "Todenhof" schon bei der Kirche nördlich vom Dorf und ist "mittels eines Zaunes umfriedigt". Die Zunamen auf zahlreichen Grabsteinen zeugen noch heute von den französischen Bewohnern des Ortes.

Station 9 - Die Paul-du-Ry-Straße
Entlang des ehemaligen Triftweges (seit 1970 Paul-du-Ry-Straße), wo auch das Hirtenhaus stand, wurden früher die Tiere in den Wald zum Hüten getrieben. Gemarkungsbezeichnungen wie Kälberhute und Ochsenhute weisen gegenwärtig noch darauf hin.

Bei einem Luftminenabwurf am 3. Okt. 1944 wurden das Pfarrhaus und das Gasthaus Luthe schwer beschädigt, die sechs Häuser der Familien Pairan, Landgrebe, Boulnois und Seib total zerstört. 16 Menschen verloren dabei ihr Leben.

Während der Zweiten Weltkrieges wurde schon mit dem Aufbau zweier Häuser begonnen. Die Grundstücke haben sich jedoch stark verändert.

Station 10 - Das evangelische Gemeindehaus
Das erste 1712 fertiggestellte Pfarrhaus befand sich östlich von der Kirche. An der Paul-du-Ry-Straße in Höhe der jetzigen Nr. 1 stand ein Bauernhaus, das umgebaut wurde. Pfarrer Rudolf Widmaier und seine Familie bewohnten das Haus von 1926 bis zum Luftminenabwurf am 3. Okt. 1944 und überlebten das Unglück. Das stark zerstörte Pfarrhaus wurde abgerissen. 1965 entstand das evangelische Gemeindehaus.

Herausgeber:
Magistrat der Stadt Immenhausen und Arbeitskreis Dorfgeschichte Mariendorf
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Jörg Schützeberg

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