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Informationen zum geplanten "Solarpark" in Mariendorf

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,


am 20.08.2025 fand im Stadtteil Mariendorf eine Bürgerversammlung statt, in der u. a. auch eine Vorstellung der Städtischen Werke zu einer möglichen Freiflächen PV-Anlage am Spannhaken erfolgte. Leider waren an diesem Abend nur ca. 30 Personen anwesend. Im Nachgang wurde sich von einigen Personen insbesondere über die sozialen Medien kritisch gegen den möglichen „Solarpark“ ausgesprochen. Darüber hinaus wurde zur Unterzeichnung einer Petition gegen den „Solarpark“ aufgerufen. Im Nachgang habe ich die Behauptungen der Petition aufgeführt und Fakten gegenübergestellt. Ich hoffe, dass hierdurch einige Dinge richtiggestellt werden können. Darüber hinaus biete ich gerne das Gespräch an und werde eine 2. Informationsveranstaltung mit den Städtischen Werken organisieren.
 

BehauptungFakten
„Es geht um 23 Hektar (32 Fußballfelder).“Tatsächlich sind es 18 Hektar Nutzfläche + Umrandungsflächen, insgesamt max. 21 Hektar. Die Zahl 23 Hektar ist falsch und führt zu einer Übertreibung der Größe.
„Ökologische Vielfalt und ländlicher Charakter gehen verloren.“Studien (u.a. Fraunhofer ISE, BNE) zeigen: Biodiversität steigt oft an – durch Blühstreifen, Extensivgrün, Verzicht auf Pestizide. Solarparks können als Rückzugsräume für Insekten, Vögel, Reptilien dienen. Die Flächen bleiben unversiegelt und sind vollständig rückbaubar! Außerdem können bzw. müssen Zäune mit Wilddurchlässen und Hecken den Charakter bewahren.
„Wertvolles Grünland wird zerstört.“Es findet keine Zerstörung statt! Unter PV-Anlagen wird der Boden nicht versiegelt, sondern weiterhin begrünt -> Grünflächen. Landwirtschaftliche Nutzung durch bspw. Schafbeweidung ist möglich. Viele Böden profitieren, da sie sich von einer intensiven Landwirtschaft erholen können. Grünland bleibt bestehen.
Hier gilt zu beachten, dass bei der Potentialanalyse immer auf niedrige bis schlechte Bodenwerte achten, dies ist auch hier erfüllt: Durchschnitt liegt bei 33,7 Bodenpunkten!
„Tiere wie Kranich, Schwarzstorch, Rebhuhn, Feldhase usw. verlieren ihre Lebensräume.“Untersuchungen zeigen: Störungsarme Solarparks sind oft weniger belastend als Ackerbau mit Maschinen, Pestiziden und Jagd. Zäune können/müssen kleintierfreundlich gestaltet werden (z. B. mit Bodenfreiheit für Kleinsäuger). Zudem entstehen durch extensive Pflege neue Habitate für Insekten und Bodenbrüter. Voraussetzung ist auch, dass Flora-/Fauna-Kartierungen vorgenommen werden, die ansässige Arten berücksichtigen – die Naturschutzbehörde wird involviert.
„Bäume und Sträucher müssen gerodet werden – Kühlung, Wasserhaushalt, Mikroklima leiden.“PV-Parks benötigen keine großflächigen Rodungen. Vegetation kann in weiten Teilen erhalten oder neu angelegt werden. Zudem: Durch den Entfall von Pflügen und Spritzen wird der Boden sogar wasserspeichernder und stabiler. -> Hecken für weiteren Sichtschutz
„Landwirtschaft wird gefährdet, Existenzen bedroht.“Landwirte können durch Beteiligung am Solarpark zusätzliche Einnahmen erzielen. Die betroffene Fläche ist recht klein im Verhältnis zur gesamten Landwirtschaftsfläche in der Region.
Es gilt zu beachten, dass wenn erst ein Aufstellungsbeschluss und dann die Einleitung eines regulären, völlig offenen Bauleitplanverfahrens initiiert wird. Es geht hier nicht um einen Baustart.
„Pachtverträge wurden ausgenutzt, Betriebe nicht informiert.“Beteiligungsverfahren sind transparent. -> Bürgerinfotermine, Beteiligung Öffentlichkeit im B-Planprozess. Planung wird im Dialog mit Eigentümern und Kommunen durchgeführt.
„Traditionelle Flächen, über Generationen bewirtschaftet, werden geopfert.“ Genau diese Flächen bleiben landwirtschaftlich nutzbar (z. B. Schafweiden). Die betrachteten Flächen zeichnen sich u.a. durch ihre vergleichsweise niedrigen bis schlechten Bodenwerte aus. Durchschnittlich werden auf den geplanten ca. 18 ha für die PV-Anlagen 33,7 Punkte erreicht. Von besonders ertragsfähigen Flächen kann nicht gesprochen werden und geopfert werden die Flächen keinesfalls. PV ist reversibel und kann danach weiter als Grünland genutzt werden. Eventuell findet auch über die „Ruhezeit“ eine Bodenverbesserung statt.
„Jagdpächter verlieren Reviere.“Solarparks sind nicht mit Wohn- oder Gewerbebebauung vergleichbar. Sie bleiben grün, können durch begleitende Heckenpflanzungen und Blühflächen sogar landschaftlich aufgewertet werden. Die Wege werden weitestgehend offengehalten.
„Spaziergänger und Familien verlieren Erholungsräume.“Solarparks sind nicht mit Wohn- oder Gewerbebebauung vergleichbar. Sie bleiben grün, können durch begleitende Heckenpflanzungen und Blühflächen sogar landschaftlich aufgewertet werden. Die Wege werden weitestgehend offengehalten.
„Therapeutischer Reitverein verliert Futterflächen und wird gefährdet.“ Solarparks können Futterflächen durch Schafweiden oder Blühwiesen-Pflege sogar bereitstellen. Darüber hinaus hat die Stadt in der Vergangenheit stets den Verein für therapeutisches Reiten unterstützt und wird das auch zukünftig tun. 
„Es gibt bessere Alternativen: Dächer, versiegelte Flächen, Windräder.“Alle Optionen sind nötig. Dachflächen sind oft ungeeignet oder zu teuer. Versiegelte Flächen sind begrenzt. Windräder allein reichen nicht aus. Freiflächen-PV ist die kostengünstigste und schnellste Technologie – sie senkt Strompreise und macht Energiewende bezahlbar.
„Deutschland produziert im Sommer schon mehr Strom, als verbraucht wird.“Richtig ist: Es gibt temporäre Überschüsse, aber im Winter und bei Dunkelflaute massive Defizite. Jede zusätzliche PV-Anlage erhöht den Anteil erneuerbarer Energien und verringert fossile Abhängigkeit. Der nächste große Schritt sind Speichertechnologien, Netzausbau und die Kombination von verschiedenen Energieträgern – nicht das Stoppen von Solarparks.
Kühlende Wirkung entfällt – Bodentemperatur steigt, Umgebung wird wärmerKeine Versiegelung: Der Boden bleibt begrünt und durchlässig, anders als bei Straßen oder Baugebieten. Kühlung durch Verdunstung bleibt erhalten.
Modulschatten wirkt ebenfalls kühlend: Unter den PV-Modulen ist die Sonneneinstrahlung reduziert, dadurch bleibt der Boden feuchter und kühler als auf nackten Ackerflächen. Vegetation bleibt erhalten oder wird sogar gefördert: Solarparks werden oft mit Blühpflanzen, Hecken oder Sträuchern umrandet -> diese tragen zusätzlich zur Kühlung bei.
Vergleich: Ein Maisacker erhitzt sich stärker als eine extensiv begrünte PV-Fläche.
Wasserspeicherung und Versickerung wird reduziert – mehr Risiko für ÜberschwemmungenFalsch: PV-Module versiegeln den Boden nicht. Der Boden bleibt offen und wasseraufnahmefähig.
Studien zeigen: Kein erhöhtes Risiko für Oberflächenabfluss, da Regenwasser zwischen den Modulreihen ungehindert einsickert.
Unter den Modulen ist die Verdunstung sogar geringer, der Boden bleibt feuchter. Das kann bei Dürreperioden ein Vorteil sein.
Erosionsschutz: Dauerbegrünung verhindert Abschwemmung, anders als bei offenen Ackerflächen nach Starkregen.
Mikroklima leidet – weniger Luftfeuchtigkeit, Schatten, Windschutz; Schafe fressen „Schattengras“ nichtMikroklima verbessert sich oft: Unter den Modulen bleibt es kühler, feuchter, windgeschützter – vorteilhaft für Insekten, Bodenlebewesen und Pflanzen.
Schatten ist positiv: Viele Wildpflanzen und Kräuter gedeihen im Halbschatten besser als auf sonnenverbrannten Flächen. Schafe können sehr wohl weiden: Erfahrungen aus vielen Solarparks zeigen, dass Schafbeweidung die häufigste Pflegeform ist – das Futterangebot ist ausreichend, „Schattengras“ ist kein echtes Problem. Hecken und Sträucher können erhalten oder neu angepflanzt werden -> Windschutz und Habitatfunktion bleiben bestehen.
Die bestehenden Pachtverträge laufen 2028 aus – diese Situation wurde ausgenutzt, um die Flächen für den Solarpark einzuplanenDer Ablauf der Potentialermittlung im Stadtgebiet Immenhausen wurde detailliert vorgestellt. Erst am Ende des Ermittlungsprozesses, mit Abwägungs- und Ausschlusskriterien kam man zum Gebiet Spannhaken. Von "ausnutzen" kann somit keine Rede sein. Das Gespräch mit den Pächtern biete ich an. 

 

Daher fasse ich folgende Botschaft zusammen:

 

  1. Fakten -> geplant 18 ha für Bebauung,+ 3 ha Abstandsflächen, nicht 23 ha

  2. Ökologische Aufwertung statt Zerstörung – Biodiversität profitiert

  3. Keine Versiegelung, Reversibilität – Bodenfunktionen bleiben erhalten, im Gegensatz zu Bauprojekten, PV ist die umweltfreundlichste Nutzung im Vergleich zum Siedlungsbau

  4. Schattenspende durch Module -> Böden trocknen weniger aus, lokale Kühlung entsteht.

  5. Regenwasser versickert -> Überschwemmungsrisiko sinkt sogar, weil keine offenen, erosionsgefährdeten Ackerflächen mehr da sind.

  6. Mikroklima wird stabilisiert -> Schatten, Feuchtigkeit, Windschutz, Biodiversität profitieren.

  7. Schafe & Naturpflege funktionieren -> Erfahrungswerte widerlegen das Argument der „ungenießbaren Gräser“. Landwirte profitieren generell von Einnahmen, Landwirtschaft bleibt teilweise möglich

  8. Energiewende braucht alle Flächenarten – Dach, versiegelt, Freifläche. Kein Entweder-oder

  9. Regionale Wertschöpfung: Einnahmen bleiben in der Kommune, statt bei fossilen Energiekonzernen


Ein Solarpark bedeutet nicht „Verlust von Naturfunktionen“, sondern kann Boden, Wasserhaushalt und Mikroklima stabilisieren – im Vergleich zu intensiver Landwirtschaft oder einer echten Bebauung ist er die umweltschonendste Nutzung.


Ich setze mich als Bürgermeister der Stadt Immenhausen für das Wohl aller Bürgerinnen und Bürger ein. Nach der Energiemengenbilanzierung der EAM Netz GmbH konnten zum 31.12.2024 nur ca. 30 % der in Immenhausen verbrauchten Energie aus EEG-Anlagen hergestellt werden. Hier liegen wir weit unter dem Durchschnitt im Landkreis Kassel, im EAM-Netzgebiet und auch bundesweit. Daher ist hier Nachholbedarf gegeben. Durch den Bau der o. a. Anlage könnten 7.000 Haushalte mit Strom versorgt werden, sodass unsere Stadt „autark“ wäre. Durch die Erträge aus der Pacht und dem § 6 Abs. 3 EEG (hier allein ca. 38.800 Euro/Jahr) sowie höherer Grund- und Gewerbesteuer können für die Stadt Immenhausen in den nächsten Jahren sechsstellige Erträge erzielt werden, die ansonsten durch eine höhere Grundsteuer von allen Bürgerinnen und Bürgern kompensiert werden müssten. 


Ich kann die bisherigen Pächter der städtischen Grundstücke, die für die PV-Anlage ihre Flächen abgeben müssen verstehen, wenn sie gegen die Maßnahme sind. Ich biete jedoch an, dass bei zukünftigen städtischen Landverpachtungen geschaut werden muss, ob es einvernehmliche Lösungen mit anderen Landwirten geben könnte.  
Ich hoffe, daher, dass ich mit der obigen Auflistung ein wenig Klarheit in die aktuelle Diskussion bringen konnte und biete wie gesagt gerne das Gespräch an. 


Viele Grüße aus dem Rathaus

 

Ihr/Euer

 

Lars Obermann
 

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Veröffentlichung

Immenhausen
Mo, 25. August 2025

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