Im Jahr 2000 fand in Immenhausen eine Überblicksausstellung zur Glaskunst in Deutschland statt, die zur Jahrtausendwende eine Art Bestandsaufnahme zur Situation und zum Entwicklungsstand des zeitgenössischen Glases bot. Über 80 in Deutschland lebende und arbeitende Künstlerinnen und Künstler stellten sich vor sechs Jahren diesem mit drei Preisgeldern ausgelobten Wettbewerb.
Der überaus große Erfolg, den die Präsentation nicht nur in Künstler- und Fachkreisen, sondern vor allem bei den Museumsbesuchern hatte, war der Auslöser für die Einrichtung des „Immenhäuser Glaspreises“, der im dreijährigen Rhythmus und in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben wird.
Ausgelobt sind wieder drei Preise. Sie werden durch die Preisstifter - dem Magistrat der Stadt Immenhausen, ART regio, dem Kulturengagement der SparkassenVersicherung und der Stadtsparkasse Grebenstein - in einer Finissage am 3. September 2006 an die Künstler übergeben. Darüber hinaus sind die Besucher der Ausstellung aufgerufen, sich an der Wahl des „Publikumspreises“ zu beteiligen.
Am Wettbewerb und an der Ausstellung sind in diesem Jahr knapp 100 Künstlerinnen und Künstler mit über 170 Arbeiten beteiligt, die alle nach dem Jahr 2003 entstanden und noch nicht in einer öffentlichen Ausstellung gezeigt worden sind. Sie machen die ganze Bandbreite der glasgestalterischen Arbeit in Deutschland deutlich. 50 der Künstler waren bereits am Wettbewerb und der Ausstellung im Jahr 2003 beteiligt, 30 Künstlerinnen und Künstler sind sogar zum dritten Mal dabei. So sind aufschlussreiche Vergleiche möglich.
Das Ziel der Ausstellung ist es wieder, einen Überblick über die Spannbreite der aktuell in Deutschland mit dem Material Glas arbeitenden Künstlerinnen und Künstler zu gewinnen und die vielfältigen, z.T. durch neue technische Voraussetzungen möglichen Bearbeitungsarten zu dokumentieren. Dabei sollten nicht nur prominente Namen auftreten, sondern auch bewusst junge, bisher weniger bekannte Glasgestalter angesprochen werden, die sich mit ihren Arbeiten bewerben und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Besonders erfreulich ist, dass sich in diesem Jahr erstmals auch Studenten des Instituts für Künstlerische Keramik und Glas an der Fachhochschule in Koblenz am Wettbewerb beteiligen.
Die ausgestellten Arbeiten stammen, wie es auch die Ausschreibung vorsah, aus allen Bereichen der Glasgestaltung. Es sind zahlreiche Gefäßvarianten zu sehen; teilweise sind sie am Ofen mit heißem Glas gestaltet oder vor der Lampe geblasen, auch gibt es Kombinationen aus beiden Techniken. Auf dem skulpturalen Feld sind Objekte vertreten, die auf besonders hohem künstlerischen Niveau mit dem Material Glas gestaltet sind. Glasfenster, bei denen die traditionelle Bleiverglasung dominiert, sind ebenfalls zu sehen. Zahlreiche Wand- und Raum-Objekte, zum Teil auch Lichtskulpturen, tragen zum Erschienungsbild der Ausstellung bei. Von aufwendigen Schliffen und Gravuren über Pâte-de-Verre oder Fusing-Arbeiten bis hin zu lampengeblasenem Glas oder Kombinationen mit Hüttenglas sind in der Ausstellung alle Techniken vertreten.
Die Schau vermittelt einen beeindruckenden Überblick über die vielfältige deutsche Glasszene. Es ist für Künstler zwar in den letzten Jahren nicht leichter geworden, das Material als Ausdrucksmittel zu verwenden. Das Arbeiten mit heißem Glas verursacht unter anderem durch die relativ hohen Energie-Kosten eines Schmelzofens und die eingeschränkten Möglichkeiten in den noch produzierenden Glashütten Probleme. Im Fusing- und Pâte de Verre-Bereich liegen allerdings noch Alternativen, die von den Glasgestaltern auch genutzt werden.
In dem die Ausstellung begleitenden Katalog werden die teilnehmenden Künstler vorgestellt und eine ihrer eingereichten Arbeiten abgebildet. Von den Künstlern wurden die Arbeiten mit Statements versehen und, falls notwendig, vom Museum kommentiert. Es wäre schön, wenn auch der Katalog wieder ein kleines Nachschlagewerk zur aktuellen deutschen Glaskunst werden würde.
Votum der Jury zum 3. Immenhäuser Glaspreis
Vorbemerkung
Von der Anzahl und der Qualität der zum 3. Immenhäuser Glaspreis eingereichten Arbeiten her kann festgestellt werden, dass der Prozess der Ablösung der Studio- bzw. Hüttentechnik als Jahrzehnte lang dominierende Arbeitsweise bei der künstlerischen Gestaltung von Glas durch andere Techniken weiter fort geschritten ist. Vor allem die klassische Lampenarbeit und Fusingverfahren sowie Montagen von Glas und verschiedenen anderen Materialien wie z.B. weichen Stoffen (Nylonfäden, Weidengeflecht) werden vermehrt zur Realisierung neuer Ideen eingesetzt. Dies drückt sich denn auch im Votum der Jury aus, die die ersten beiden Plätze an Arbeiten in Lampentechnik vergeben hat. Der dritte Preis und die beiden durch den Förderverein der Glasfachschule Hadamar vergebenen Sonderpreise repräsentieren Fusingtechniken und die Gravur von Flachglas. Aufgrund der großen Anzahl von hervorragenden Arbeiten hat sich die Jury zudem dazu entschlossen, dass alle Juroren ein Sondervotum aussprechen, das allein subjektiven Kriterien entspricht. Respekt zollt die Jury zudem, ohne weitere Namen zu nennen, einer Reihe von schon seit Jahrzehnten etablierten Glaskünstlern, die hervorragende, ausgereifte Arbeiten eingesandt haben.
Preise
1. Preis
gestiftet vom Magistrat der Stadt Immenhausen
Nadja Recknagel:
„kopflos“, 2005
Der 1. Preis würdigt eine beeindruckend souveräne, eigenwillige und markante Ausdrucksform im zeitgenössischen Glasschaffen.
Nadja Recknagel nut
zt die traditionelle „Glasstrickerei“ vor der Lampe als Ausdruckmittel ihrer für diese Technik immens großen Skulpturen. In einem langsamen, meditativen Prozess setzt sie Steg an Steg. Dem Betrachter teilt sich beim visuellen Abwandern der unzähligen Stege und Maschen das freie Wachsen der Form mit.
Bei „kopflos“, besteht das Gespinst aus zwei ineinander liegenden, röhrenartigen Netzen aus roten Stegen in der Mitte und schwarzen an den Enden. Durch die bewusst textile Anmutung der Skulptur inszeniert die Künstlerin einerseits den langwierigen und durchaus mühsamen Entstehungsprozess der Arbeit, anderseits nimmt sie diese Mühsal durch die schwebend-heitere Leichtigkeit der „Luftmaschen“ wieder zurück. Außen- und Innenform sowie Körperkontur erinnern an Wachstums- und Bewegungsformen lebendiger Naturwesen.
Die Arbeit ist durchaus auch als programmatischer Beitrag zur Gattung Skulptur zu sehen: Die "gebaute" Maschenstruktur besitzt eine hohe plastisch-räumliche Qualität. Durch die aufwändige Binnenstruktur und die Einbeziehung des Skulptureninnenraumes hebt sie die Abgrenzung zwischen einem klar definierten Innen und einem davon deutlich geschiedenen Außen auf; ebenso sublimiert sie den Gegensatz zwischen gläserner Härte und textiler Weichheit. Eine Einheit von künstlerischer Idee und meisterlicher Beherrschung der gestalterischen wie technischen Mittel ist spürbar.
2. Preis
gestiftet von Art regio, ein Kulturengagement der SV SparkassenVersicherung
Dieter Schneider:
“Julia Menge I”, 2005
Der 2. Preis würdigt ein wunderbar frisches, spielerisch-heiteres Objektgebilde, das einen Beitrag zur Erschließung neuer Ausdruckswerte durch eine unkonventionelle Nutzung der Lampentechnik darstellt.
Mit Einfallsreichtum und Witz nutzt Dieter Schneider wichtige Grundtechniken, zum Beispiel des Glasapparatebaus und persifliert Exaktheit und Funktionalität, die zwangsläufig der handwerklichen Arbeit vor der Lampe zu eigen sind.
Seine Skulptur setzt sich aus vielen Einzelteilen zusammen, die alle die gleiche Grundstruktur aufweisen: ein flachgedrückter Gefäßkörper mit aufgelegten Farbglasringen und lang ausgezogenen, spitzen Hütchen. Die serielle Nutzung poetischer, assoziationsreicher Einzelformen und deren Verdichtung zu einer dynamischen Gruppe ergeben ein rhythmisch bewegtes Ganzes. Es weckt vielfältige Analogien zu Natur- und Tierwelt sowie zu Alltagsgegenständen. Aber seine Ausdruckskraft bezieht es besonders aus seiner fröhlichen Unbekümmertheit, die vor allem sich selbst genügt.
Aufgrund ihres spannungsvollen Aufbaus, ihres Humors und ihrer Assoziationskraft hat die Arbeit von Dieter Schneider die Jury unmittelbar überzeugt.
3. Preis
gestiftet von der Stadtsparkasse Grebenstein
Elke Hübner:
„Brückenschlag“, 2005
Mit dem 3. Preis wird eine stark sinnbildhafte, skulptural eigenwillige Äußerung in Glas gewürdigt. Mit dem Einsatz einfacher Materialien (Fensterglas, Kupferdraht, Nylonfaden) gelingt Elke Hübner eine verblüffende ästhetische Inszenierung.
Durch Laminier- und Fusingtechniken werden ähnlich einem Baukastenprinzip Einzelteile aus verformten Glasplatten mit besonders delikater Oberflächenstrukturierung geschaffen, die anschließend durch "Vernähen" zu einer von den realen Dimensionen losgelösten monumentalen Form zusammengefügt werden.
Drei relativ kompakte Einzelmodule (U-Formen) werden durch die gezackten Ränder, die Flecht- oder Nähverbindungen sowie durch die partiellen, filigranen Einschmelzungen aufgewertet und verfeinert. Durch den Wechsel von mattweißen und klaren Flächen entsteht ein inneres Spannungsgefüge. Diese Spannung wird dadurch gesteigert, dass die Platten aus dem spröden Material Glas durch Nylonfäden verbunden werden und die Skulptur durch dieses weiche Material ihre eigentliche Gestalt und Festigkeit erhält.
Im „Nähprozess“ entwickelt sich eine besonders ästhetische Kommunikation unter den Komponenten und eine äußerst reizvolle Materialornamentik. In der Reihung der drei „U“-Formen, von denen die mittlere auf dem Kopf steht, zeichnet sich der „Brückenschlag“ jedoch durch eine große Formstrenge aus und Elke Hübner verliert auch nicht den Sinn für formale Zusammenhänge.
Sonderpreise
gestiftet von der Glasfachschule Hadamar
Anne Wenzel:
Barocke Schale „Orangenhaut“, 2005
Mit einem Sonderpreis wird auf eine besonders originelle Inszenierung eines aktuellen Themas im Werkstoff Glas hingewiesen.
Die Arbeit von Anne Wenzel in provokanter mixed media-Technik besticht durch Phantasie, Witz und ironische Brechung. Hervorzuheben ist dabei ihr großes technisches Vermögen, insbesondere ihre gravurtechnische Meisterschaft. Unterschiedliche Glastechniken und Stile werden zitiert und kontrastreich eingesetzt sowie collage- und assemblageartig kombiniert. Die verschiedenen Darstellungsmodi sind subtil auf einen spielerischen Umgang mit verschiedenen Zeit- und Wirklichkeitsebenen abgestimmt.
Als Bildträger dient die aus einer Flachglasscheibe ausgesägte Silhouette einer barocken Fruchtschale. Der „Schalendekor“ von barocker Opulenz besteht aus zwei meisterlich gravierten fülligen Frauengestalten, die mit weit ausholenden Armbewegungen an einem reich gedeckten Tischchen sitzen. Ihre sinnliche Körperfülle und Lebenslust kommen als ironischer Kommentar des heutigen Schlankheitswahns daher. In die gleiche Richtung der augenzwinkernden Ironisierung zielt auch der im Tiefschnitt gravierte Eistütenfries am Schalenrand und die titelgebende Orangenhaut, die als von hinten aufgeklebte orangefarbene Überfangglasscheibe in Früchteform im buchstäblichen Sinne präsent ist und durch Sandstrahl und Gravur besondere haptische Qualitäten erhalten hat. Die negativen Konnotationen des Begriffs aus der Kosmetik werden so spielerisch ins Positive gewendet.
Henrike Wenzel:
Schale ohne Titel, 2005
Gewürdigt wird mit einem weiteren Sonderpreis eine innerhalb des gesamten Wettbewerbsangebotes überzeugende Gefäßgestaltung in Glas. Hervorzuheben ist bei der Schale von Henrike Wenzel die verblüffende Beherrschung des Materials und des Verformungsprozesses. Was wie zufällig erscheint ist gezielte Manipulation.
In historischer Technik steht am Beginn der Herstellung von Flachglas die runde Form einer Kugel, bzw. Glocke. Henrike Wenzel dreht diesen Vorgang um und entwickelt die Rundung ihrer tiefen Schale aus einer Scheibe Flachglas. In die Ränder der Scheibe werden Löcher gebohrt, an denen Stahlseile befestigt werden. In einem durch Beobachtung kontrollierten Brennvorgang wird die Scheibe im Fusingofen frei schwebend, ohne weitere Modeln soweit abgesenkt, bis die gewünschte äußere Form erreicht ist. Diese Form und Entglasungen lassen sich durch die Anordnung der Aufhängungsseile gezielt steuern.
Mit einem einfachen Gedanken ist es Henrike Wenzel gelungen, zu neuen, überraschenden und in der strengen Form überzeugenden Ergebnissen zu gelangen. Der Entstehungsprozess, das Fließen, bzw. Absinken des Floatglases wird in der Schale nacherlebbar. Wunderbar geht Henrike Wenzel mit den materiellen Unzulänglichkeiten beim Verformen des Glases um: Randverformungen, die Schmelzränder sowie die Gefäßsilhouette bilden eine Einheit und selbst die in der Regel unliebsame Entglasung wird bewusst als Gestaltungsmittel einbezogen und wird zum reizvollen Dekor an der richtigen Stelle. Anmutungen der Prozessstufen des Glases (Schmelzen, Fließen, Erstarren) spielen mit unseren "Bildern" von Wasser- und Eisformationen.
Persönliche Würdigungen der Juroren
Würdigung von Uwe Claassen
Hans Baumgartner:
Vase ohne Titel, 2004
Ein großes, mächtiges Ei aus bernsteinfarbigem Glas mit einer Öffnung als oberen Abschluss. Die Oberfläche ist strukturiert durch ein gleichmäßiges Muster von immer wiederkehrenden, geschliffenen geometrischen Formen, die mit zunehmendem Umfang größer werden. Jeweils die gleichen Formen sind durch Grob- oder Feinschliff ausgeführt bzw. poliert. Wie wichtig das Licht für die Präsentation von Glas ist, war bei Hans Baumgartners Vase in der Immenhäuser Ausstellung gut zu beobachten. In der Ausstellungsbeleuchtung fiel das Stück bei den verschiedenen Rundgängen zwar immer wieder auf, aber erst als am Nachmittag die Sonne gewandert war und ihr Licht direkt auf die Arbeit fiel, erwachte sie zu richtigem Leben: Steht die Vase zwischen dem Betrachter und der Sonne, so entsteht durch die Lichtreflexe der Eindruck von Luftblasen in sprudelndem Wasser. Geht man um die Arbeit herum, so erlebt man ein Panorama verschiedenster Lichtspiele, bis beim Blick mit dem Sonnenlicht der matte Grobschliff dominiert und all die wunderbaren Reflexe verschließt, die freilich wieder erscheinen, wandert man nur weiter um die Vase herum. Die Qualität der Arbeit von Hans Baumgartner liegt in ihrem einfachen Grundgedanken, seiner komplexen Entwicklung und der perfekten Ausführung.
Würdigung von Dr. Ruth Fabritius
Hermann Ritterswürden
„Erlkönig“, 2004
Die Arbeit vermittelt in der Fülle ihrer gestalterischen Details, in der Dynamik der Inszenierung und durch die memento-mori-Thematik eher barocke Opulenz als romantische Brechung, wie sie die Erwähnung von Goethes Gedicht und der Schubertschen Vertonung in der Selbstauskunft des Katalogs vermuten lässt. Dem Künstler ist es hervorragend gelungen, die Dynamik der Vorwärtsbewegung von Reiter und Pferd umzusetzen, aber auch eine „glasgemäße“ Ausdrucksform für das Thema Tod und Vergänglichkeit zu finden: Vor der Folie der zurückgenommenen, morbiden Farbigkeit heben sich Farbakzente deutlich ab, die aus Scherben zusammengesetzten Teile Pferdegerippe, Tod, Reiter und Kind sind zu einem gleichermaßen fragilen wie verletzbaren Ganzen verbunden.
Würdigung von Prof. Hubert Kittel
Norbert Kaufmann
"Flaschen", 2005
Die Würdigung für eine souveräne, unprätentiöse Interpretation eines uralten Glasthemas und Standards "Flasche" will auch als Ermutigung für das "Festhalten" an einem Standardthema der Gefäßgestaltung (Gebrauchsform) und seine gestalterische Bewältigung verstanden werden. Die Formgebung der freigeformten Flaschengruppe ist eine natürliche, sanftharmonische Lösung und betont das Vorbild der Zweckformen (Flasche, Schankkaraffe).
Die Farbgestaltung betont dagegen den Objektcharakter - die Flaschen erscheinen teilweise gefüllt… Die warmen, satten Farbtöne, die Eisgestaltung und die dick verschmolzenen, trichterförmigen Flaschenöffnungen suggerieren eine glasspezifische Sinnlichkeit.
Würdigung von Hartmut Lieb
Henry Knye
“Red in discussion with Al and Jaques”, 2004
Hervorragend beherrscht Henry Knye die für seine Arbeiten entscheidenden „Ofen- und Lampentechniken“. Dabei bleibt es aber nicht bei der bloßen handwerklichen Perfektion, die jeden Formausdruck behindern kann, nein, Knye beherrscht auch diesen und schafft Spannung aus allen Blickwinkeln, wie er selbst fordert. Und wie beim Puppenschnitzer Cepetto wird hier nicht dem Holz, sondern dem eher kühlen Material Glas Leben eingehaucht. Durch die scheinbare Absurdität der angesetzten „Kopfakzente“ erhält die Gruppe eine vollkommen neue und amüsante Spannungsvariante. Gerne würde ich vom Diskussionsinhalt erfahren, aber er bleibt geheimnisvoll und imaginär.
Würdigung von Prof. Dr. Ekkehard Schmidberger
Heide Kemper
„Die Karawane des Apoll“, 2004
Es gelingt Heide Kemper mit ihrer Arbeit „Die Karawane des Apoll“ durch eine sensible Ästhetik aus unterschiedlichen, vorgegebenen Materialien Beton, Metall, Glas ein Sinnbild eines musischen Ortes zu gestalten.
Ausgangspunkt und Zentrum dieser Arbeit ist nicht Glas, sondern ein Bohrkern, der aus dem 2002 eröffneten neuen Konzerthaus Dortmund, ein Beton-Stahl-Glas-Bau, stammt. Den Betonkern umhüllt ein im Fusingverfahren geformtes Glasband, das weit ausschwingt und dessen fließende Bewegung in feinen Drähten ausklingt. Die Glasfläche dient als Träger für einfache Chiffren von Menschen, die zwischen Pflanzen gruppiert einen Zug bilden. In das Glas eingebrachte Farben und Materialien Metalloxide, Draht haben ihre Entsprechung im Beton. Zu dem festen Kern aus dem Konzerthaus vermittelt die Glashülle Harmonie der Materialien, Akkorde der Farben, rhythmische Akzente der Chiffren und eine schwingende Bewegung des Bandes. Die Menschen darauf erfüllen das Kunstwerk wie im Konzerthaus mit Leben.
Kassel, den 28. Juli 2006
Für die Mitglieder der Jury
Ekkehard Schmidberger
Publikumspreis
Hermann Ritterswürden
„Erlkönig“, 2004